Maurice Mentjens

Ein Einhorn, Leuchtstoffröhren, die zu strahlenden Sternen zerplatzen, eine belgische Pommesbude, Schuhe, die wie Schmetterlinge flattern, und ein Zitat von Shakespeare. Symbole, Assoziationen und Hinweise. Der Innenarchitekt Maurice Mentjens möchte am liebsten Geschichten erzählen, die sich - gehüllt in verschiedene Ebenen - auf einen Ort oder ihre Verwendung beziehen. Für ihn dreht sich alles um den Kontext. Der endgültige Entwurf wird somit zu einer Vielfalt von Geschichten und sollte wie ein Essay gelesen werden: mit einem philosophischen Charakter und einer Vielzahl an Bedeutungen. Seine Themen stammen oft aus der Mythologie, der Geschichte, Literatur oder bildenden Kunst. Gerade durch diese intellektuelle Verwendung der Semiotik überschreiten seine Entwürfe die Grenzen der Innenarchitektur und gelangen in die wunderbare Welt der autonomen Gestaltung. Dadurch lässt sich die Handschrift erkennen, der Maurice Mentjens seinen Ruhm verdankt.

Diese konzeptuelle Bildersprache kommt ganz besonders bei der Projekteinrichtung zu ihrem Recht: in Geschäften, der Gastronomie, in Büros und Ausstellungskonzepten, bei denen es sich aufgrund ihres Charakters um anonyme Orte handelt, die um eine Identität ringen.

Mit der Innengestaltung des Sirius Smart Shop in Maastricht, den er als die durch eine halluzinierende Beleuchtung geprägte Werkstatt eines Alchemisten einrichtete, machte er sich einen Namen. So wurde das technologische Labor zur Quelle künstlicher Ekstase. Das erwies sich als Beginn seiner ständigen Suche nach konfrontierenden Kontrasten in Leben des Alltags. Diese Kontraste haben manchmal die Schärfe eines Schwarz-Weiß-Fotosund sind häufig aufgrund ihrer psychologischen Basis so gnadenlos treffend. Ein Teil seiner Inspiration lässt sich ferner auf eher weltanschauliche Aspekte wie Religion und Spiritualität zurückführen, ein ausgezeichneter Ort, an dem sich die Metaphern von Gut und Böse hinter dem Schleier der weltlichen Kunst verbergen.

Maurice Mentjens kreiert geschichtete, geschachtelte Interieurs. Wer es sehen will, erkennt unter der ansprechend polierten Oberfläche immer wieder eine neue Botschaft, die sich oftmals mit einem surrealistischen Unterton präsentiert, durch den der Dualismus zwischen Realität und Illusion herausgestrichen wird.

Als Pièce de Résistance ist eines oder sind sogar mehrere monumentale Innenraumobjekte zu betrachten, die als Ikone für den Zugang zu der zugrunde liegenden Geschichte gemeint sind. Das lässt sich im Theaterrestaurant „De Nieuwe Vorst“ in Tilburg erkennen, in dem die scheinbare Wirklichkeit hinter den Kulissen aufgegriffen wird. Längst nicht jeder erkennt all die Schichten, fühlt aber dennoch unbewusst das Spannungsfeld. Dieser Funken Mystik trägt möglicherweise zum bewussteren Erlebnis der uns umgebenden Welt bei.


Am liebsten sucht er Anknüpfungspunkte in der symbolischen Welt eines Gebäudes, der angestrebten Nutzung und sicherlich auch in der Geschichte einer Stadt oder Umgebung: den Genius locii.

Funktionalität ist dabei nicht das primäre, sondern ein abgeleitetes Ziel. Nur mit Respekt vor dem „Geist des Ortes“ erschafft ein Entwurf wirklich eine Verbindung. Auch das Verhältnis zu dem Auftraggeber spielt dabei eine wesentliche Rolle, schließlich fängt ein gelungener Auftrag mit einem guten Empfinden als Auftraggeber an. Durch die gegenseitige Empathie entsteht mehr als nur ein funktional und technisch korrekter Entwurf, sondern zudem die Garantie für das emotionale Engagement, sodass das Projekt auf subjektive Weise zeitlos wird und sich von den Meinungen Außenstehender löst.

Seine Entwürfe ordnen sich daher niemals den tagtäglich wechselnden Trends unter.

Trotz ihres Status als autonome Installationen sind sie niemals gewollt trendy, modisch oder experimentell, denn diese Wörter hat Maurice Mentjens aus seinem Wortschatz gestrichen. Alle eher künstlerischen Aspekte werden im Rahmen ihrer Struktur wiederum durch ihren Antipoden relativiert, in puncto Funktion, Farbe oder Material. Die jeweilige Materialwahl beruht auf nachhaltiger Qualität. Das gilt ebenfalls für die oft auf raffinierte Weise verborgene Technik. Fast alle Elemente des Innenbereichs sind nach Maß gefertigt; dabei wird dem kleinsten Detail die gleiche Aufmerksamkeit wie der allumfassenden Geste gewidmet. Diese Sensibilität führt zu menschlicheren Innenräumen, die ein erkennbares, hegendes Gefühl vermitteln. Das ist ferner der beherrschten Ästhetik zu verdanken, die es ermöglicht, Stile und Stilepochen mühelos zu durchkreuzen: von Alt und Neu und von bürgerlich bis hin zu Barock.

Aus gutem Grund finden sich in seinem Portfolio so viele Geschäftseinrichtungen.

So spektakulär, wie sie auf den ersten Blick auch zu sein scheinen, nichts lenkt letztendlich von dem ab, worum sich alles dreht; den Produkten, die wie Juwelen behandelt werden.

Mit Licht, Farbe, Nischen und Spiegeln wird der Raum in ein Podium umgestaltet. Ladentheken und Präsentationssysteme, denen die Bezeichnung Schrank, Regal oder Konsole bei Weitem nicht mehr gerecht wird, verstärken die Inszenierung.

Bei diesem dreidimensionalen Rahmen werden die Gegenstände oft im wahrsten Sinne des Wortes auf ein Podest gestellt. In diesem Sinne bleibt Maurice Mentjens seiner einstigen Ausbildung als autonomer Designer im Bereich Schmuck- und Produktdesign treu, aber jetzt entwirft er nicht mehr die Schmuckstücke oder Produkte, sondern die Verpackung.

Und all dies geschieht auf einer Ebene, die der Poesie von Raum und Zeit freie Entfaltungsmöglichkeiten bietet. - Cécile Dornseiffen

Maurice Mentjens
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